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Lernen
Eine Person zeigt in Situation A0
die Reaktion X. Bei erneutem Kontakt mit einer identischen
Situation A1
zeigt die Person jedoch diesmal Reaktion Y. Es besteht also ein
Unterschied im Verhalten, bei gleichen situativen Bedingungen. Diese
Modifikation des Verhaltens kann verschiedene Ursachen haben. So kann z.B. ein
körperliches Gebrechen die Ausführung der Reaktion X verhindern. Liegt
die Ursache des veränderten Verhaltens jedoch in der Erfahrung, die die Person
bereits in vorangegangenen Situationen gemacht hat, so kann man einen
Lernprozess attestieren. Die psychologische Definition für Lernen lautet:
Lernen ist Verhaltensmodifikation auf der
Basis bereits gemachter Erfahrungen.
Das klassische Konditionieren
Pawlows Hund
Der russische Physiologe Pawlow wollte den
Speichelfluss von Hunden erforschen. Um diesen zu provozieren, stellte er seinem
Versuchstier einen gefüllten Futternapf hin. Dabei musste er durch eine Labortür
gehen, an der eine Glocke angebracht war. Der Hund hörte also jedes mal, kurz
bevor er sein Futter bekam, einen Glockenton. Nach einer Weile setzte der
Speichelfluss des Hundes bereits beim Glockenton ein.
In der Psychologie bezeichnet man den
Futternapf als unkonditionierten Reiz (UCS), den Glockenton als konditionierten Reiz (CS) und der verstärkte Speichelfluss als
Reaktion
(R).
Bei wiederholter Darbietung von UCS und CS in
zeitlicher Nähe (am besten den CS kurz vor dem UCS), kann der CS quasi als
Stellvertreter des UCS fungieren und die Reaktion R anstelle des CS auslösen
(Abb. 1).

Abbildung 1 Das Paradigma des klassischen
Konditionierens. Unkonditionierter Stimulus
(UCS) und konditionierter Stimulus (CS)
werden in zeitlicher Näher dargeboten.
Der kleine Albert
Jedes mal, wenn der kleine Albert mit seinem
Lieblingshaustier, einer Ratte spielte, schlug der Psychologe Watson auf einen
großen Gong. Dabei erschrak das Kleinkind jedes mal und zeigte heftige
Angstreaktionen. Nach ein paar Wiederholungen hatte Albert auch vor der Ratte
Angst. Die Ratte hatte als CS die Stellvertreterfunktion des lauten Gongs (UCS)
übernommen und konnte die Angstreaktion (R) auslösen. Hier spielte sich im
Prinzip das gleiche ab, wie bei Pawlow's Hund.
Das eigentlich Interessante an dieser Geschichte
war aber, dass Albert bald auch vor Hamstern, Hasen und allen Tieren, die
Ratten ähnlich sind, Angst bekam. Wenn ähnliche Reize die gleiche Reaktion
auslösen, spricht man von Reizgeneralisierung.
Ganz im Gegensatz dazu steht die
Reizdiskrimination. Hier lernt der Organismus, auf Reize, die nicht absolut
identisch sind, unterschiedlich zu reagieren. Hätte man den kleinen Albert in
einem Nachfolgeexperiment gezwungen, mit Hasen zu spielen ohne ihn dabei zu
erschrecken, hätte er seine Angst vor Hasen verloren. Vor Ratten dagegen hätte
er weiter Angst.
Konditionierung zweiter Ordnung
Wenn ein vormals neutraler Reiz bereits eine
konditionierte Reaktion hervorrufen kann, kann er nun seinerseits mit anderen
neutralen Reizen gekoppelt werden, so dass diese die Reaktion hervorrufen. An
die Glocke beim Pawlowschen Hund kann z.B. ein Lichtsignal gekoppelt werden, an
das Lichtsignal ein weiterer neutraler Reiz usw.
Klassisches Konditionieren in der Werbepraxis
Das klassische Konditionieren beruht auf einem
dem Menschen unbewussten psychischen Prozess. Dies unterscheidet es vom
Signallernen, bei dem man den CS bewusst als Signal für den UCS wahrnimmt. Da
Menschen sich nicht gerne ohne ihr Wissen manipulieren lassen, wird von Seiten
der Werbewirtschaft gerne die Behauptung aufgestellt, das klassische
Konditionieren hätte praktisch keine Bedeutung bei Werbemittelgestaltung. Nichts
desto Trotz existiert eine unüberschaubare Fülle wissenschaftlicher Evidenzen,
die belegen, wie hervorragend das klassische Konditionieren in der Werbung
funktioniert.
So konnten z.B. Zahncreme, Cola-Marken etc.
erfolgreich mit angenehmen Bildern oder Musik verknüpft werden. Besonders gut
klappt die Verknüpfung mit neuen, bisher unbekannten Marken bzw. Produkten.
Der erfolgreiche Einsatz dieser Technik hängt
jedoch von bestimmten Bedingungen ab:
- Wie schon erwähnt, sollte die Marke oder das
Produkt noch relativ unbekannt sein, da es ansonsten bereits mit anderen
Reizen verknüpft ist.
- Der CS sollte stets vor dem UCS dargeboten
werden. In Werbespots werden dagegen meist zuerst die angenehmen Bilder
gezeigt und danach das Markenlogo. Die Verknüpfung wäre andersherum deutlich
stärker.
- Die Reizdarbietung (UCS) sollte Konsistent
sein, und nicht ständig variieren.
- Umso häufiger CS und UCS zusammen gezeigt
werden, umso stärker fällt die Verknüpfung aus.
- Der CS (z.B. Markenlogo) und UCS (z.B. schöne
Landschaft) sollten möglichst eigenständig und einzigartig sein, sonst kommt
es zu unerwünschten Reizgeneralisierungen von Konkurrenzanbietern
(Trittbrettfahrereffekt).
Das operante Konditionieren
Später bemerkte man, dass nicht nur Reaktionen an
Reize verknüpft werden können, sondern dass auch bestimmte Verhaltensweisen
aufgrund der Verhaltenskonsequenzen öfter oder weniger oft gezeigt werden.
Dieses "Lernen am Erfolg" beschreibt folgendes Experiment von Thorndike:
Er sperrte eine hungrige Katze in einen Käfig,
der von innen nur mit einem bestimmten Hebel zu öffnen war. Vor den Käfig
stellte er eine Tasse Milch. Die Katze versuchte nun aus dem Käfig bzw. an die
Milch zu kommen, in dem sie völlig unsystematisch alles ausprobierte, was zum
natürlichen Verhaltensrepertoire einer Katze gehört. Bei diesem Herumspringen,
Kratzen, Beißen usw. betätigte sie dann rein zufällig den Hebel zum Öffnen des
Käfigs. Da aber genau dieses Verhalten zum Erfolg führte, wurde es, bei späteren
Versuchswiederholungen, eher gezeigt als die anderen Verhaltensalternativen. Man
sagt: Das Betätigen des Hebels wurde verstärkt. Um so öfter man das
Experiment mit dieser Katze wiederholte, um so schneller zeigte sie das
entsprechende Verhalten und um so unwahrscheinlicher waren andere
Verhaltensweisen.
Auf der anderen Seite kann eine bestimmte
Verhaltensweise natürlich auch negative Konsequenzen haben. In diesem Fall sinkt
die Wahrscheinlichkeit, dass es beim nächsten wieder gezeigt wird. In diesem Fall
wurde das Verhalten nicht verstärkt, sondern bestraft. Tabelle 1 zeigt
die verschiedenen Bestrafungs- und Verstärkerarten.
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Tabelle 1. Verstärkertypen |
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Vehaltenswahrscheinlichkeit |
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steigt |
sinkt |
|
Verhaltens-
konsequenz |
aversiver Reiz
wird weggenommen |
negativer
Verstärker |
--- |
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aversiver Reiz
wird zugeführt |
--- |
Bestrafung
Typ I |
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angenehmer Reiz
wird weggenommen |
--- |
Bestrafung
Typ II |
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angenehmer Reiz
wird zugeführt |
positiver
Verstärker |
--- |
Eigentlich dürfte das operante Konditionieren für
die Werbepraxis so gut wie keine Rolle spielen, da ja in sämtlichen
Werbewirkungsmodellen das (Konsum-) Verhalten am Ende des Prozesses steht. Ob
sich der Kauf eines Produktes als Erfolg oder Misserfolg herausstellt, spielt
dabei keine offensichtliche Rolle. Aber ein unzufriedener Kunde ist ein
verlorener Kunde. Es ist durchaus denkbar, dass Konsumenten, die mit Werbung
nach dem Kauf in Kontakt kommen, das Kaufverhalten eher als Erfolg beurteilen,
weil es im nachhinein durch die Werbung bestätigt (verstärkt) wird.
Lernen am Modell
Lernen am Modell, das man auch Beobachtungslernen
oder soziales Lernen nennt, liegt vor, wenn eine Person Beobachtungen des
Verhaltens und der Verhaltenskonsequenzen bei einer anderen Person nutzt, um
später ihr eigenes Verhalten zu gestalten. Im Unterschied zum operanten
Konditionieren müssen die Konsequenzen des Verhaltens von der lernenden Person
nicht selbst erfahren werden.
In der Werbepraxis werden häufig Modelle eingesetzt, um
Werbebotschaften zu vermitteln. Das beobachtete Verhalten eines Modells wird
dann am einflussreichsten sein, wenn
- beobachtet wird, dass es verstärkt wird;
- das Modell positiv wahrgenommen wird, d.h. mit hohem
Status, beliebt, respektiert;
- es wahrgenommene Ähnlichkeiten zwischen Eigenschaften
und Charakterisitika des Modells und des Beobachters gibt;
- Verstärkt wird, dass der Beobachter dem Modell
Aufmerksamkeit schenkt;
- Das Verhalten des Modells sichtbar und auffällig ist
– sich klar vor dem Hintergrund konkurrierender Modelle abhebt;
- Und es im Bereich der Kompetenz des Beobachters
liegt, das Verhalten zu übernehmen.
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